Special Interest Group PKV-Daten
Sekundärdatengestützte Analysen des deutschen Gesundheitswesens stützen sich bisher vorwiegend auf Daten der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV). Die spezifischen Merkmale der rund 10,5 % der Bevölkerung mit privater Krankheitskostenvollversicherung (PKV) bleiben dabei weithin unberücksichtigt.
Gleichzeitig wächst die Bedeutung weiterer Versicherungsformen. Etwa 32 Millionen Zusatzversicherungen schützen vor finanzieller Überforderung durch Versorgungskosten, und die betriebliche Kranken- und Pflegeversicherung erreicht inzwischen rund 2,5 Millionen Menschen (Stand 2024).
Für all diese Bereiche fehlt es bislang an systematischer Forschung. Insbesondere für PKV-Daten existiert – im Vergleich zur GKV – noch kein umfassendes, öffentlich zugängliches methodisches Erfahrungswissen. Ein wesentlicher Grund dafür sind die Prozesse der Datenentstehung, -anforderung und -aufbereitung, die sich von denen der GKV teils erheblich unterscheiden.
Was sind die Ziele der Special-Interest-Group?
Die SIG verfolgt drei Kernziele:
- Bündelung von Erfahrungswissen im Umgang mit PKV-Daten.
- Erarbeitung von Handlungsempfehlungen für die wissenschaftliche Nutzung dieser Daten.
- Netzwerkbildung für Projekte und Publikationen.
Welche Mitglieder hat die Gruppe?
Die Gruppe setzt sich aus Vertreterinnen und Vertretern von PKV-Unternehmen, dem Wissenschaftlichen Institut der PKV sowie verschiedenen wissenschaftlichen Institutionen zusammen. Zu den beteiligten Institutionen gehören:
- Debeka Krankenversicherungsverein a. G.
- Generali Deutschland Krankenversicherung AG
- WIP – Wissenschaftliches Institut der PKV
- Hochschule Hannover
- Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg
- Technische Universität Berlin
- Technische Universität Dresden
- UMIT TIROL
Seit wann existiert die Gruppe?
Der erste Impuls zur Gründung erfolgte beim AGENS-MethodenWorkshop 2021. Die formelle Konstituierung der SIG „PKV-Daten“ fand nach dem AGENS-MethodenWorkshop 2022 statt.
Welche sind die aktuellen Aktivitäten?
- Publikationsreihe: Die Gruppe arbeitet an einer modular aufgebauten Artikelreihe im AGENS-Supplement in der Zeitschrift „Das Gesundheitswesen“, die die methodischen Besonderheiten nach Sektoren beschreibt. Die ersten drei Teile zu Grundlagen, Datenfluss und Datenaufbereitung bei ambulanten Rechnungsdaten und Arzneimitteln sind bereits Open Access veröffentlicht.
- Versichertenbezogene ambulante Rechnungsdaten der privaten Krankenversicherung – Teil 1:
Grundlagen und Voraussetzungen für die wissenschaftliche Nutzung - Versichertenbezogene ambulante Rechnungsdaten der privaten Krankenversicherung – Teil 2:
Datenentstehung und Datenfluss - Versichertenbezogene ambulante Rechnungsdaten der privaten Krankenversicherung – Teil 3:
Potenziale und Herausforderungen bei der wissenschaftlichen Nutzung (under review)
- Versichertenbezogene ambulante Rechnungsdaten der privaten Krankenversicherung – Teil 1:
- Methodische Ausarbeitung: Aktuell liegt der Fokus auf ambulanten Rechnungsdaten (ärztliche Leistungen und Arzneimittel) sowie der Beschreibung von methodischen Stärken, Schwächen und Unterschieden zur GKV.
- Kommunikation: Die bisherige Arbeit wurde bereits auf verschiedenen Workshops und Kongressen vorgestellt, um Feedback aus der Fachcommunity zu sammeln.
- AGENS Methoden-Workshop
- Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Sozialmedizin und Prävention (DGSMP)
- WIP-Tag der Versorgungsforschung (interne Veranstaltung der PKV)
- Deutsches Netzwerk für Versorgungsforschung (DNVF)
- Wissenschaftlicher Kongress des Öffentlichen Gesundheitsdienstes (ÖGD)
Welche sind die zukünftigen Aktivitäten?
- Sektorenübergreifende Erweiterung: Die Ausarbeitung von Empfehlungen wird auf weitere Bereiche wie den stationären Sektor sowie Heil- und Hilfsmittel ausgedehnt.
- Erkenntnisgenerierung: Es sollen konkrete Forschungsfragen entwickelt werden, um anhand verfügbarer Datensätze weitere methodische Erkenntnisse zu gewinnen.
- Struktur und Förderung: Die Gruppe prüft Möglichkeiten einer zukünftigen Forschungsförderung.
- Adaption: Geplant ist zudem eine kontinuierliche Reaktion auf neue gesetzliche Rahmenbedingungen und Prozesse im Gesundheitswesen.
Gruppensprecher:
Prof. Dr. Holger Gothe
Dr. Christian Jacke
Dr. Christoph Stallmann
Kontakt: